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12cm Fest Mw

Versuchsanlage 30.09.1956 in Thun

Die Geschichte des 12cm Fest Mw 59

1948
Zu Beginn des kalten Krieges wird klar, dass zur Unterstützung des Verteidigungsdispositives des Zentral- und Grenzraumes, eine taktische Unterstützungswaffe entwickelt werden muss.

Folgende Anforderungen werden daran gestellt: 12cm Minenwerfer Granaten Schusskadenz 12 Schuss/Min Rundumfeuer möglich Steilschusswaffe unter Panzerkuppel

1949 – 1950
Die Firma SIG Neuhausen erhält den Auftrag von der kriegstechnischen Abteilung Bern (KTA), das Problem zu lösen und entwickelt den 12cm Fest Mw. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Genie und Festungswesen AGF.

1950
Im Januar und September finden erste Schiessversuche in Thun statt. Im November dann in Dailly. Es handelt sich um einen Mehrrohrwerfer (6 Rohre) als Vorderlader. Diese Versuche, unter der Leitung der Sektion für Schiessversuche S+S, verlaufen aber nicht erfolgreich. Nach dem achten Schuss verhindern die Mängel ein Weiterschiessen. Der Minenwerfer wird demontiert und geht zur Weiterentwicklung zurück zur Firma SIG.

SIG Mehrfachwerfer

W+F Versuchsanlage 1958 in Thun

1952
Obschon die AGF 1948 vorgeschlagen hatte, den Minenwerfer von unten zu laden und einen einfacheren Verschluss zu konstruieren, wird durch die SIG der „Vorderlader“ entwickelt. Dies kostet unnötig viel Zeit und Geld.

1952
Nach Genehmigung des Generalstabschef, schliesst die KTA Bern mit SIG Neuhausen einen Vertrag über sechs 12cm Fest Mw ab.

2- stöckige, unterirdische Waffenstellung:

Unten: Richtraum mit Handräder, Munitionslaborieraum
Oben: Bündel aus 6 Schussrohren12cm Feld Mw41 Rohren, Elevation = Richtbogen, Azimut = Drehplattform, rundum drehbar1 Abzugsvorrichtung pro SchussrohrSalve a 6 Schuss innerhalb 0.5sec.hydraulische Rücklaufbremse an jedem Zündkopf 3 elektrische Aufzüge mit Zahnstangenantrieb
Das Laden erfolgt von oben (Vorderlader) durch eine hydraulisch-, automatische Ladevorrichtung, alle 6 Schuss gemeinsam.

Diese sind für die Standpunkte Dailly (ein Geschütz), Savatan (zwei Geschütze), Foppa (ein Geschütz) und Bäzberg (zwei Geschütze) bestimmt.

1955
Für die Verbesserungen am Werfer braucht SIG fünf Jahre. Am 29. August 1955 erfolgt wieder ein Schiessen in Dailly, mit Einzelschüssen und Salven. Dabei gehen einzelne Rohre nicht mehr in die Ausgangslage zurück. Das Hydrauliksystem platzt, sämtliches Öl läuft aus. Das Öl fängt sofort Feuer und löst Panik unter den Zuschauern aus.

Im Oktober wird der Werfer in Dailly dem Gst, der AGF und der KTA vorgeführt. Bemängelt werden folgende Kriterien: In den engen Personenaufzügen für die Lader können sich nur sehr schlanke Männer aufhalten. Das Auf- und Abfahren ist sehr umständlich. Das Richten über Handräder ist mühsam. Zu viele und komplizierte Manipulationen müssen bis zur Auslösung einer Salve ausgeführt werden. Statt 18 Schuss/Minute werden nur 12 Schuss/Minute erreicht. Ausserdem ist kein Gasschutz vorhanden.

Im November bittet Oberstdivisionär Rathgeb die KTA umgehend um eine funktionssichere Lösung.

Folgende Anforderungen werden gestellt: Der Mehrfachwerfer als Vorderlader soll aufgegeben werden. Hinterlader, mit pneumatisch verschliessbarem Verschluss und elektrischer Zündstiftbetätigung Die Rohre sollten mit CO2 gespült werden können. Im Notfall sollte auch ein Handbetrieb möglich sein. Die Rohre müssen eingefahren werden können.Die Rohrmündungen müssen 15cm über die Panzerungen vorstehen.Die Rohre sollen einfahrbar sein. Für einen 3- Rohrwerfer sollten vier Salven pro Minute möglich sein.

1956
Die SIG macht unbeirrbar weiter. Der, für Foppa Grande (2. Prototyp) vorgesehenen Werfer, wird in Thun montiert. Seitens der Armee wird trotzdem eine neue Lösung mit einem anderen Betrieb gesucht.

Die im Geschützbau angesehene K+W Thun ist mit der Entwicklung des neuen Kampfpanzers ausgelastet. Demzufolge wird die Waffenfabrik Bern W+F mit der Weiterentwicklung des Werfers beauftragt.
Vorgaben: Eine Anlage des SIG Prototypen in Dailly ist vollständig montiert, aber nicht truppentauglich. Schussrohre, Richtmittel, Hydraulik, elektrische Aufzüge und Panzerdeckel für weitere fünf Mehrfachwerfer SIG (auch für Foppa Grande) sind bei der AGF eingelagert.
5 Fest Mw Bunker sind fertig betoniert oder in Arbeit, inkl. Laufringe und Drehplattformen. Die W+F arbeitet ein Projekt aus und startet die Weiterentwicklung. Im Auswahlverfahren werden 6, 4, 3- und 2 Rohrwerfer geprüft. Der Zwillingswerfer gewinnt den Test. Es wird sofort mit dem Bau einer Versuchsanlage begonnen.

1957
In Thun erfolgen im Sommer erste Funktionstests mit einem automatischen Verschluss.

1958
Obwohl die W+F schon ab 1956 mit der Entwicklung eines verbesserten Werfers begonnen hat, versucht SIG ihren Prototypen den Forderungen der KTA anzupassen. Im Mai wird, nach neun Jahren, das Projekt des Mehrfachwerfers mit seinen zu schwachen Rohren des Modells 41 der SIG, durch das KTA endgültig abgebrochen.

Auf einer Flap-Lafette mit einem Rohr, erprobt und optimiert die W+F den Werfer, mit automatischem Verschluss und höherer Schusskadenz.

Oberstdivisionär Rathgeb gibt sich unter folgenden Bedingungen für die Entwicklung eines Zwillingswerfers (anstatt 4 Rohre) einverstanden: pro Rohr min. 8 Schuss/Min. Reichweite bis 8km
Die ist die Geburtsstunde des 12cm Fest Mw 59!

Ein Prototyp mit zwei Rohren wird für Dailly in Auftrag gegeben.
30. April 1959..........1. Versuch mit 2 Rohren auf Zwillingslafette
20. August 1959.......Letzter Beschuss in Thun
10. November 1959..Erster Beschuss in Dailly mit 26 Schuss
16. November 1959..Schiessen vor Befestigungskommision mit einminütigem Schnellfeuer.

20. April 1960
Offizielles Anschiessen und Abnahme, Geschütz Nr.1 mit Rohr 1+2 in Dailly. Die folgenden 14 Schuss gegen den Glacier des Martinets, erfolgen ohne Störung.
09. September 1960 Demonstrationsschiessen mit 24 Schuss in 84sec.

1961 – 1963
Die restlichen 5 Fest Mw Typ I werden zwischen 1961 und 1963 montiert und an die Truppen übergeben. Ein Nachteil des Typ I ist, dass er den Dimensionen der SIG Geschützstellung angepasst werden musste. Die ersten sechs Werfer werden am 01.01.1995 entklassifiziert.

22.06.2011
Die letzten Schüsse werden abgegeben...

Quelle: armasuisse foppa grande, RUAG, FWK

Eingäng, mit oder ohne Haus...

Die letzten Schüsse des 12cm Fest Mw

  © Markus Diethelm / Verein Sperre Trin